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STOFFLIEBE BLOG

9 Jun 2020

Wie – du hast noch nie mit einer Zwillingsnadel genäht?

Dann wird es aber Zeit! Damit sehen deine Säume richtig professionell aus und es geht so einfach!

Was ist überhaupt eine Zwillingsnadel?

Die Zwillingsnadel ist ein normaler Kolben mit 2 Nadeln unten dran. Sie gibt es in unterschiedlichen Breiten, Stärken und für unterschiedliche Stoffarten. Mit dieser Nadel kannst du eine professionelle Covernaht imitieren und somit perfekte Säume ganz einfach zaubern!
Auf der rechten Stoffseite näht man mit der Zwillingsnadel eine parallele Doppelnaht und auf der linken Seite entsteht ein Zickzackstich, wodurch der Saum dehnbar ist! Perfekt also für Shirts, Röcke und Kleider aus Jersey und Sweat.

Zwillingsnadeln kann man praktisch mit jeder Nähmaschine nutzen. Man benötigt 2 Obergarne, die parallel eingefädelt werden. Solltest du nicht 2 Garnbäume (die teile, worauf du dein Obergarn steckst) haben, kannst du auch 2 Garnrollen übereinanderstecken. Allerdings hat man manchmal nicht jede Garnfarbe zweimal vorhanden… Dann gibt es einen ganz einfachen Trick. Spule das benötigte Garn auf eine weitere Unterspule und nutze diese als 2. Obergarn.

Eine Unterfadenspule mit dem Garn aufspulen und als 2. Obergarn nutzen.
Unterfadenspule als 2. Obergarn nutzen

Wie nutze ich eine Zwillingsnadel?

Wie oben schon beschrieben, fädelst du die beiden Obergarne erst einmal zusammen ganz normal ein und trennst die Garne am unteren Fadenspanner und ziehst sie jeweils durch eine Nadel von vorne nach hinten. Wie immer legst du das Obergarn unter das Nähfüßchen nach hinten.

2 Obergarne durch jeweils eine Nadel der zwillingsnadel fädeln.

Bei den meisten Nähmaschinen stellst du nun noch die Fadenspannung ein wenig runter. Ich stell sie bei meiner Pfaff immer zwischen 2-3. Es variiert auch immer etwas mit der Stoffart und Stoffstärke. Das heißt, du probierst am besten erst einmal auf einem Stoffrest. Wenn die Fadenspannung noch zu stark ist, wölbt sich die Naht nach außen. Außerdem solltest du die Stichlänge ein wenig erhöhen – ich nähe meist mit 3,5 oder 3,8.

Nun steckst du erst einmal den Saum deines Nähprojekts ab. Ich rate am unteren Saum immer mind. 2 cm einzuschlagen, da sonst der Saum zu knapp ist und ganz gern nach außen knickt. Nutze dafür am besten ein Handmaß. Um einen perfekten Saum mit der Zwillingsnadel hinzubekommen, ist ein genaues Abstecken wichtig!

Genaues Abstecken ist für einen perfekten Saum mit der Zwillingsnadel sehr wichtig!

Mit der Zwillingsnadel wird IMMER auf der rechten Seite genäht. Du siehst deinen abgesteckten Saum also nicht, nähst sozusagen blind. Nun möchtest du beim Nähen die Saumkante möglichst flach annähen, d.h. eine Nadel näht auf dem Saum, die andere daneben. Damit das durchgehend gelingt, ist das genaue Abstecken so wichtig! Außerdem hilft dir dabei noch ein kleiner Trick:
Du legst deinen Saum erst einmal mit der linken Seite nach oben so unter die Nadeln (Nähfüßchen dabei ruhig absenken), dass die linke Nadel knapp links neben dem Saum einsticht und die rechte Nadel auf dem Saum. Dann nimmst du dir ein Klebeband oder ein Washitape und klebst es direkt rechts neben deinen Stoff als Markierung.

Nun nimmst du den Stoff wieder raus und legst ihn mit der rechten Seite nach oben erneut ein, so dass die Stoffkante an deiner Markierung entlang läuft. Ich fang dabei ganz gern an der hinteren Mitte an – ohne besonderen Grund… Nicht vergessen: Mit der Zwillingsnadel näht man IMMER auf der rechten Seite des Stoffes!!!

Und los geht´s!

Jetzt beginnst du ganz normal zu nähen. Du brauchst nicht verriegeln, da du ja im Kreis nähst und direkt an der Naht wieder rauskommst und dann einfach zwei/drei Stiche direkt auf die vorhandene Naht nähest und somit verriegeln kannst. Wer an seiner Maschine eine automatische Verriegelung hat, kann diese natürlich zu Beginn und am Ende auch nutzen.
Konzentriere dich beim Nähen darauf, dass deine Stoffkante immer an deiner Markierung entlang geht! Und wenn alles gut geht, sieht deine Naht am Ende von innen so aus:

Zwillingsnaht von innen
Zwillingsnaht von innen

Und von außen hast du eine super ordentliche parallele Saumnaht, die dazu noch dehnbar und somit wesentlich belastbarer ist!

Der Saum mit der Zwillingsnadel von außen und innen.

Toll, oder?
Probier es unbedingt mal aus! Ich wette, du willst dann darauf auch nicht mehr verzichten 🙂

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